Symposium 2014

Das Symposium umfasst 10 Vorträge aus verschiedenen Wissenschaften und intensive
Diskussionen über die Fachgrenzen hinweg.

 Gefragt wird immer:
- Was versteht man in den Wissenschaften unter „Zeit“ - „Zukunft – Vergangenheit – Jetzt“?
- Wie wird in den Wissenschaften mit diesen Kategorien umgegangen, und wo spielen sie in gesellschaftlichen Entscheidungen (auch im Anwendungsbeispiel) eine Rolle? Wo fließen dabei weltanschauliche Aspekte ein?

 

Mittwoch, 19.03.2014
 
     13:00 – 13:30    Begrüßung, Grußwort des Vizepräsidenten der Universität Regensburg, Prof. Dr. Christoph Wagner
 
     13:30 – 14:15    1. Vortrag: Prof. Dr. Peter Janich, Marburg
„Zeit“ als Thema der Philosophie
 
     14:15 – 14:45    allgemeine Diskussion
 
     Pause
 
     15:00 – 15:30    Beispielthema „Vorhersagbarkeit von Naturkatastrophen“
2. Vortrag: Prof. Dr. Helmut Brückner, Köln
„Zeit“ aus der Sicht der Geochronologie – zur Vorhersagbarkeit von
Naturkatastrophen
 
     15:30 – 15:45    Diskutant 1 (fachnah) Prof. Dr Kurt Klein, Regensburg, Geographie
 
     Pause
 
     16:15 – 16:45    3. Vortrag: Prof. Dr. Michael Schulz, Chemnitz
Vorhersagbarkeit und Zeitkonzepte aus der Sicht der Mathematischen
Physik
 
     16:45 – 17:00    Diskutant 1(fachnah) Prof. Dr. Armin Grunwald, Karlsruhe, Philosophie/Physik
 
     17:00 – 17:15    allgemeine Diskussion
 
     Pause
 
     17:30 – 18:00    4. Vortrag: Prof. Dr. Lothar Käser, Freiburg
Mensch und Zeit in ethnischen Gruppen. Ein Beispiel aus Mikronesien.
Zeitkonzepte in verschiedenen Kulturen aus der Sicht der Ethnologie
 
     18:00 – 18:15    Diskutantin 1 Prof. Dr. Lis Brack-Bernsen, Wissenschaftsgeschichte/Antike
Astronomie, Regensburg
 
     18:15 – 18:30    allgemeine Diskussion
 
     18:30    Imbiss
 
     19:15 – 20:15    Treffen der Studierendengruppe
 


     Donnerstag, 20.03.2014
 
     09:00 – 09:15    Einleitung
     09:15 – 10:00    5. Vortrag: Prof. Dr. Wolfgang E.J. Weber, Augsburg
"Zeit" in der europäischen Geschichte und Geschichtswissenschaft
 
     Pause
 
     10:10 – 10:40    Diskutant 1 (fachnah) Prof. Dr. Thomas Saile, Regensburg,
Geschichtswissenschaft
Diskutant 2 (fachfremd): Prof. Dr. Harald Wohlrapp, Hamburg, Philosophie
(à 15 Min.)
 
     10:40 – 11:15    allgemeine Diskussion
 
     11:15 – 12:00    6. Vortrag: PD Dr. Marc Wittmann, Freiburg
Zeitwahrnehmung im menschlichen Gehirn aus der Sicht der
Medizinischen Psychologie
 
     Pause
 
     12:15 – 12:45    Diskutant 1 (fachnah) Prof. Dr. Henning Schmidgen, Regensburg, Medienästhetik
Diskutant 2 (fachfremd) Prof. Dr. Harald Wohlrapp, Hamburg, Philosophie
(à 15 Min.)
 
     12:45 – 13:15    allgemeine Diskussion
 
     13:15 – 14:30    Imbiss und Pause
 
     14:30 – 15:15    7. Vortrag: Mag. art. Florian Geßler, Graz
„Zeit“ in der Musik und Musikwissenschaft
 
     15:15 – 15:45    Diskutant 1 (fachnah) PD Dr. Andreas Pfisterer, Regensburg, Musikwissenschaft
Diskutant 2 (fachfremd) Prof. Dr. Matthias Brack, Regensburg, Physik
(à 15 Min.)
 
     15:45 – 16:15    allgemeine Diskussion
 
     Pause
 
     16:45 – 17:30    8. Vortrag: Prof. Dr. Erwin Dirscherl, Regensburg
Das Phänomen der Gegenwart als „Zeit-Raum“
des Übergangs: Nachdenken über die Verbindung von Biografie und
einer Theologie der Zeit im Dialog mit Paulus und G. Agambens Römerbriefkommentar
 
     Pause
 
     17:30 – 18:00    Diskutant 1 (fachnah) Prof. Dr. Ulrich Kropač, Eichstätt, Theologie
Diskutant 2 (fachfremd) PD Dr. Marc Wittmann, Med. Psychologie, Freiburg
(à 15 Min.)
     18:00 – 18:30    allgemeine Diskussion
 
     Zwischenfazit im Hinblick auf die Leitfragen


     Freitag, 21.03.2014
 
     09:30 – 09:45    Einleitung
 
     09:45 – 10:15    10. Vortrag: Holger Schellkopf, Regensburg, Stellv. Chefredakteur
„Zeit“ im Journalismus
 
     10:15 – 10:45    Diskutant 1 Prof. Dr. Rainer Hammwöhner, Regensburg, Informationswissenschaft
Diskutant 2 (fachfremd) N.N.
(à 15 Min.)
 
     10:45 – 11:15    allgemeine Diskussion
 
     Pause
 
     11:45 – 12:45    Zusammenfassungen des Ertrags aus verschiedenen disziplinären und
weltanschaulichen Perspektiven
 
     Schlusswort

Wissenschaften erforschen Gegenstände und Fragestellungen, die sie in der Vergangenheit oder in der Gegenwart oder in der Zukunft lokalisieren. Das bei solchen Forschungen zugrunde gelegte „Zeit"-Verständnis soll beim VII. Regensburger Symposium reflektiert werden. Es ist anzunehmen, dass es in verschiedenen Wissenschaften mit unterschiedlichen Konzepten verbunden ist, da Wissenschaften je nach ihren Untersuchungsgegenständen und ihren wissenschaftlichen Methoden die „Zeit" unter je besonderen Aspekten einbeziehen. Der Parameter „Zeit" soll deshalb in den thematischen Leitfragen des Symposiums (s.u.) als Grundkategorie des wissenschaftlichen Selbst-Verständnisses erörtert und durch die Einbeziehung verschiedener Wissenschaften differenziert erarbeitet werden.

 

Diese grundlegende Fragestellung verbindet sich auch mit Anwendungsfeldern. So weist das Bundesministerium für Bildung und Forschung neuerdings ein sogenanntes Zukunftsfeld „Zeitforschung" aus (siehe http://www.bmbf.de/de/14984.php) und verknüpft dieses direkt mit der Frage nach dem „Erschließen zeitabhängiger Technologien und zeitkritischer Prozesse in neuer Tiefe". In der näheren Beschreibung heißt es: „Der Faktor Zeit ist noch nicht ausreichend verstanden und stellt deshalb in vielen Entwicklungen den Engpassfaktor dar. Die Erforschung der Zeit ist der zentrale Aspekt des Zukunftsfeldes, der in viele Anwendungsgebiete hineinreicht. So stellt sich z. B. die Frage nach der Zeitabfolge komplexer Prozesse, um Anwendungen schneller, effizienter und kostengünstiger, aber auch intelligenter zu machen, Prozesse zu parallelisieren oder zu synchronisieren (z. B. Internet-Server, Produktionsprozesse). Ebenso ist die Frage nach der Dynamik und zeitlichen Entwicklung, insbesondere nichtlinearer Prozesse, auf unterschiedlichen Zeitskalen nur langfristig zu klären."

 

Dem Konzept der Regensburger Symposien gemäß wird auch ein Anwendungsfall mit aktuellem Bezug behandelt (siehe unten).

  

Jedoch steht die Frage nach dem Parameter „Zeit" in den Wissenschaften selbst im Mittelpunkt. Indem verschiedene Wissenschaften ihn in der Sicht ihrer eigenen Gegenstände und Methoden reflektieren, wird vermieden, dass „Zeit" zu einseitig in der Form von „Zukunft" betrachtet wird. Um den Parameter „Zeit" besser zu verstehen, muss die Dreiteilung des Zeitfeldes in Zukunft, Gegenwart oder „Jetzt" und Vergangenheit gleichermaßen im Blick bleiben. Dadurch kommt eine besondere Perspektivierung ins Spiel:

 

 

Während nämlich „Zeit" – vielleicht? – betrachterunabhängig definiert werden kann, sind „Zukunft", Vergangenheit" und „Gegenwart" oder „Jetzt" stets relativ zu einem Ausgangspunkt der Einteilung definiert: entweder auf den temporalen Standpunkt des Sich-Äußernden bezogen, der als „Origo" des deiktischen Feldes auch das „jetzt" definiert; oder indem als Ausgangspunkt der zeitlichen Betrachtung eine andere Person (in einer anderen als der Jetzt-Zeit des Sich-Äußernden) als Origo festgelegt wird. Das Symposium erörtert deshalb die verschiedenen Verständnisse von Zeit im Bezug zum „Menschen" als dem, der definiert, was bezogen auf ihn oder einen anderen als Zukunft, Vergangenheit und Jetzt gelten soll –was unter diesen dreien zu verstehen ist. Daraus ergibt sich die

Frage nach dem Verhältnis von Zeit und Mensch, und damit, gemäß dem Konzept der Regensburger Symposien, die Frage nach einem weltanschaulich-menschenbildlichen Anteil des wissenschaftlichen Parameters „Zeit".

 

Das Anwendungsbeispiel 2014 ist die Frage der „Vorhersagbarkeit von Flutkatastrophen". Es operiert, wie viele andere „zukunftsorientierte" Fragestellungen, auf den ersten Blick mit einer scheinbar objektiven, vom menschlichen Betrachter-Subjekt unabhängigen Größe „Zeit". Jedoch: Die hier vorherzusagende „Zukunft" ist die Zukunft von Menschen, Bevölkerungen, Regierungen, die unterschiedliche menschliche Betrachter- Subjekte in bestimmter Weise sehen und entsprechend zu verstehen oder auch zu gestalten versuchen. Deshalb ist auch zu fragen: Wie kann es sich auswirken, wenn verschiedene Wissenschaften kooperieren, um Prognosen über Langzeitentwicklungen und Lösungen zu erarbeiten und dabei – unbemerkt – verschiedene Verständnisse von „Zeit" zugrunde legen?

 

 

Thematische Leitfragen für das Symposium 2014:

a) Vorbereitende Fragen für die Vortragenden und Diskutierenden aus verschiedenen Fächern zur Selbstreflexion in den einzelnen Wissenschaften:

 

 Wie wirkt sich die Tatsache einer zeitlichen Platziertheit der Untersuchungsgegenstände in Ihrer Wissenschaft bzw. einem Forschungsgebiet darin inhaltlich und methodisch aus?

 Wie wird „eit" in Ihrer Wissenschaft bzw. Ihrem Spezialgebiet verstanden?

 Welche Rolle spielen in Ihrer Wissenschaft Hypothesen über die Reproduzierbarkeit von experimentellen Ergebnissen in der Zukunft, Prognosen über zukünftige Entwicklungen in Natur oder Gesellschaft, Aussagen und Modellbildungen über nichtbeobachtete Ereignisse und Prozesse in der Vergangenheit sowie Aussagen über ein „etzt" oder eine „egenwart" – und welchen Anspruch auf „ahrheit" haben sie?

 Gibt es im Rahmen Ihrer Wissenschaft die Schwierigkeit, ein Jetzt zu fassen, und die Abstraktion einer „egenwarts"-Zeitspanne, die ein Stück Vergangenheit und Zukunft immer mitumfasst u.a.? Worin besteht sie – inhaltlich und/oder methodisch?

 

b) Ergebnisorientierte Leitfragen für die Diskussionen 2014

 

 Wie ist der Mensch in die Zeit eingebettet?

 

 Wie wirkt die Zeit im Menschen?

 

 Woran denkt „er" Mensch (welcher Zeit, welcher Kultur, welchen Lebensalters usw.?) dabei zuerst: an die (= „eine") Zukunft oder an die (= „eine") Vergangenheit oder an das (= „ein") Jetzt? Welche Schlüsse lassen sich daraus über den Parameter Zeit ziehen?

 

 Was können die einzelnen Wissenschaften zu einem vertieften und differenzierten Verständnis von „eit" beitragen?

 

 Wie wirkt sich all dies möglicherweise im Anwendungsfall (z.B. beim Anwendungsbeispiel 2014 „orhersagbarkeit von Flutkatastrophen") aus?